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Stufenübergreifende Übergangsgruppe - ein Beispiel

Eine Teilnahme an der Übergangsgruppe kann Schüler/in und Lehrperson entlasten.

Übergangsgruppe

Eine Gruppe speziell für Kinder mit herausforderndem Verhalten

Für Kinder mit deutlichen Verhaltensauffälligkeiten und starker Überforderung im Klassenverband kann die Leitung einer sogenannten Übergangsgruppe durch eine Lehrperson der Schulischen Heilpädagogik hilfreich sein. Diese Klasse ist speziell für Kinder konzipiert, die sich kaum in den Klassenverband integrieren können und ausgeprägt dissoziatives oder provokatives Verhalten sowie instabile Bindungsmuster zeigen. Eine zeitweise Teilnahme an der Übergangsgruppe ermöglicht eine gezielte Förderung. Die Kinder besuchen für mehrere Lektionen pro Woche die Gruppe, in der restlichen Zeit die Stammklasse.

Die Lehrperson der Übergangsgruppe kann eine tragfähige Beziehung zu den Kindern aufbauen und für sie einen wichtigen Ankerpunkt darstellen: Sie gibt Halt, Beziehung und Sicherheit. Unterstützt wird sie dabei von der Schulsozialarbeit. Die Verweildauer in der Übergangsklasse ist individuell unterschiedlich.

In der Praxis finden sich verschiedene Formen dieser «Übergangsklassen». Sie ist von den Räumlichkeiten, den finanziellen Ressourcen der Schule und dem Bedürfnis der Lehrpersonen abhängig.

Beispiel

Ein konkretes Beispiel

 

Rahmenbedingungen

  • Gruppenunterricht jeweils am Morgen 9-11 Uhr (2 Lektionen, in der 10 Uhr Pause begleitet, Rückführung einfacher, da Kontakt zur Klasse besteht)

  • 2 Pädagog/innen

  • 4 bis 6 Plätze

  • Dauer: 2 Monate bis 1 Jahr

 

Stark ritualisierter Ablauf:

  1. Bei Ankunft direkt in ein Gesellschaftsspiel einbinden, damit keine Wartezeit entsteht

  2. Gemeinsam etwas trinken und essen (Versorgung als Kernelement) gekoppelt mit Reflexionsrunde und Erlernen sozialer Kompetenzen wie zuhören, ausreden lassen (Wie geht es mir heute? Wie war der Morgen bisher zuhause und in der Klasse?)

  3. Lernphase: In ihrem jeweiligen «Lernbüro» konzentriert arbeiten (individuelle Hilfestellungen), klare Zeitspanne (nur verlängern, wenn die SuS noch etwas zu Ende machen wollen, aber nicht als Sanktion), Aufträge sind von der Lehrperson.

  4. Spiel oder Arbeit am eigenen Thema (Forschen, Handwerk, Erlebnispädagogik, Outdoor-Aktivitäten, Kreative Angebote, gemeinsames Kochen…). Die eigene Forschungsarbeit wird dokumentiert und der Klasse vorgestellt.

  5. Feedbackrunde: Gegenseitiges positives Feedback + Vorschläge oder Wünsche für den nächsten Tag einbringen

  6. Verabschiedungsritual

 

Regeln

"Ich zerstöre nichts" (Material)

«Ich verletze niemanden» (Schlagen, Beleidigungen)

 

Phasen

Anfangs liegt der Fokus darauf, den Kindern zu ermöglichen, den Raum als einen sicheren Ort zu erfahren, anstatt sie mit zu vielen Erwartungen zu überfordern. Im weiteren Verlauf können schrittweise neue Regeln gemeinsam entwickelt werden. Gegen Ende der Zeit in der Übergangsgruppe kann die wöchentliche Stundenzahl reduziert werden, um den Übergang zurück in die Stammklasse behutsamer zu gestalten.

Haltung

  • Die Einbindung der Eltern ist essenziell: Kontakt alle 1-2 Wochen

  • Es geht nicht darum, Lernrückstände aufzuholen.

  • Es wird davon ausgegangen, dass die Kinder bisher ungünstige Strategien der Problembewältigung genutzt haben.

  • Eine vollständige Rückkehr in die Stammklasse erfolgt, wenn das soziale Klima dort tragfähig ist und die Klasse das Kind unterstützt. Gegebenenfalls können in der Stammklasse auch soziale Kompetenztrainings stattfinden. Sollte sich die Klassengemeinschaft als Ganzes nicht zu einer stabileren und unterstützenderen Gruppe entwickeln, werden die individuellen Fortschritte des Kindes kaum ausreichen, um dauerhafte Stabilität zu erreichen (vgl. Becker, 2023)

  • Die Lehrpersonen werden miteingebunden. Es besteht ein gemeinsames Fallverständnis.

Beratung im multiprofessionellen Team

Regelmässige Fallberatungen sind essenziell für ein gemeinsames Fallverständnis und wirken sich nachweislich positiv auf die Gesundheit der Lehrpersonen aus. Ihre Durchführung ist jedoch meist stark von der aktiven Unterstützung durch die Schulleitung abhängig.

​Ist der Aufbau einer Übergangsgruppe in Ihrer Schule sinnvoll?

Wen könnten Sie einbeziehen, um die Idee gemeinsam dem Team vorzustellen?

vgl. Becker, 2023 & Baumann et al., 2017

Verhaltenskompass

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