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Emotionale Entwicklung: Wie komme ich von Verhalten A nach Verhalten B?

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Berücksichtigung des Entwicklungsstands

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Im Schulalltag begegnen uns immer wieder Situationen, die uns vor Herausforderungen stellen:

  • Ein Kind aus der dritten Klasse wird frustriert und empfindet es als unfair, wenn seine Idee in der Gruppenarbeit nicht umgesetzt wird.

  • Ein Kind aus der ersten Klasse kann in Kreissequenzen nicht lange zuhören, ohne zu stören.

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Solche und ähnliche Verhaltensweisen sind oft ein Zeichen dafür, dass Kinder im Bereich ihrer emotionalen, sozialen oder psychischen Kompetenzen einen anderen Entwicklungsstand haben, als wir es von ihrem chronologischen Alter erwarten würden.

 

Wir tappen dann schnell in die Falle und denken: "Das weiss er/sie doch eigentlich!" oder "Wir können uns doch nicht ständig nach ihm/ihr richten!"

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Doch genau hier liegt der Schlüssel: Für die wirksame Förderung eines Kindes ist es unerlässlich, die individuellen Bedürfnisse dieses Kindes zu berücksichtigen und passende Massnahmen zu ergreifen. Oft müssen wir dafür einen Schritt zurück, die IST-Kompetenzen anschauen (A) und die zu erworbene Kompetenzen (B). Von A nach B muss es begleitet werden.

Praxis

Stellen Sie sich folgende Fragen

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  1. Welche Bedürfnisse könnten hinter dem beobachteten Verhalten des Kindes stecken? (z.B. Lust, Anerkennung, Orientierung…)

  2. Wann und unter welchen "Gelingensbedingungen" zeigt das Kind bereits das gewünschte oder ähnliches positives Verhalten?

  3. Welche gezielten Hilfestellungen können wir integrieren, um das Kind schrittweise zu befähigen, neue Kompetenzen zu erwerben?

  4. Wie können wir die Fortschritte des Kindes wahrnehmen und sie anerkennen?

 

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Fallbeispiel: Lea und der Morgenkreis

 

Das Problem: Lea ist sechs Jahre alt und hat eine kognitive Entwicklung, die einem dreijährigen Kind entspricht. Sie kann im Morgenkreis nicht lange zuhören, ohne unruhig zu werden, zu murren oder aufstehen zu wollen. Die Lehrperson fühlt sich herausgefordert, da Lea "eigentlich" weiss, dass sie sitzen bleiben soll.

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Das kann konkret in der Praxis getan werden (Auswahl):

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  • Visueller Ablaufplan: Lea erhält einen eigenen, einfachen Ablaufplan des Morgenkreises mit Bildern, den sie abhaken kann.

    • Bedürfnis: Struktur, Vorhersehbarkeit, Sicherheit

  • Kürzere, festgelegte Teilnahmezeiten: Lea muss zu Beginn nur für eine kurze Zeit (z.B. 5-7 Minuten) teilnehmen. Eine Eieruhr visualisiert das Ende dieser Zeit.

    • Bedürfnis: Autonomie, Selbstregulation, Reduktion von Überforderung

  • Spezifische, aktive Rolle: Lea erhält eine konkrete, kurze Aufgabe im Kreis, z.B. den Begrüssungssong starten oder den Wetterbericht mit einer Bildkarte ansagen. So ist sie aktiv eingebunden

    • Bedürfnis: Kompetenz, Bedeutung, Aktivität, Soziale Eingebundenheit

  • "Auszeit-Ticket": Lea darf bei Bedarf mit einem visuellen Zeichen eine kurze Pause in einer ruhigen Ecke machen, um sich zu beruhigen und dann zurückzukommen

    • Bedürfnis: Autonomie, Selbstregulation, Kontrolle

  • Sofortiges, präzises Lob: Wenn Lea eine gewünschte Verhaltensweise zeigt, wird dies sofort und konkret gelobt: "Lea, du hast 5 Minuten im Kreis mitgemacht, das war toll!"

    • Bedürfnis: Anerkennung, Kompetenz, Motivation

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Welche Situation überfordert das Kind?

Lassen Sie sich von den Beispielen und den Förderschritten inspirieren.

Unfair!

"Das esch doch unfair - sie darf und mir ned!" - Was ist Fairness eigentlich?

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Fairness bedeutet nicht Gleichheit, sondern Bedürfnisorientierung.

Fairness im pädagogischen Kontext bedeutet nicht, dass alle Kinder genau das Gleiche bekommen. Es bedeutet vielmehr, dass jedes Kind die Unterstützung erhält, die es braucht, um erfolgreich lernen und sich entwickeln zu können. Dies mag bedeuten, dass ein Kind eine "spezifischere, aktive Rolle" im Morgenkreis benötigt, während ein anderes Kind lernt, mit Frustration umzugehen, wenn seine Idee nicht gewählt wird. Solche individuellen Anpassungen sind kein "Richten nach" dem Kind, sondern eine bewusste Förderung seiner Kompetenzen. Dies soll den Kindern transparent gemacht werden.

Verhaltenskompass

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