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Die Emotion der Scham im Unterricht

Wir sind uns der Scham nicht immer bewusst
 

Scham ist eine häufig anzutreffende Emotion in Klassenzimmern. Prengel (2019) zeigte, dass im Schnitt ein Viertel der Interkationen im Unterricht verletzend sind. Diese Zahl ist erschreckend hoch. Die Scham gehört zu den negativen, oft tabuisierten Emotionen, die die Beziehung Kind-Lehrperson belastet und vor allem lernschwache sowie verhaltensauffällige Kinder betrifft. Ausgelöst wird diese Emotion oft durch Überforderung seitens der Lehrperson in herausfordernden Situationen oder in «Machtkämpfen» zwischen Kind und Lehrperson, zum Beispiel wenn sich ein Kind vor der Klasse verweigert.

Beschämung erkennen:
Sich hineinversetzen

Überspielen von Scham

Um beschämende Unterrichtssituationen zu erkennen, müssen wir die Perspektive des Kindes einnehmen und uns fragen, wie es sich fühlt, wenn wir beispielsweise vor der ganzen Klasse mit dem Kind schimpfen. Nicht jedes Kind zieht sich dann zurück und wird rot - Kinder können die Scham nach aussen verbergen, indem sie unterschiedlich reagieren: Mit Pokerface, einem gelangweilten Blick, mit einem Lachen oder mit Wut.

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            Überlegen Sie sich bei einer Pause:
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Gibt es in Ihrem Unterricht beschämende Situationen, die sie sich jetzt bewusst machen können? Achten Sie eine Woche lang darauf und notieren Sie die Situationen in der 10 Uhr Pause, am Mittag oder nach der Schule. Überlegen Sie alleine oder zu zweit alternative Reaktionsmöglichkeiten.

 

Z.B.: Als mit dem Kind laut vor der Klasse zu schimpfen, mit dem Kind einzeln sprechen oder ein gemeinsames Symbol abmachen.

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Es kann Ihnen ab und zu passieren, dass Sie trotz des Wissens ein Kind beschämen. Seien Sie dann nicht streng mit sich selbst. Ein Nicht-beschämender Unterricht ist Übungssache!

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Verhaltensauffällige Kinder provozieren beschämende Situationen

Kinder mit herausforderndem Verhalten haben oft bereits zu Hause Erfahrungen mit beschämenden Situationen gemacht. Um ihr Selbstbild aufrechtzuerhalten, provozieren sie Lehrpersonen so lange, bis diese mit einem vertrauten – meist beschämenden – Reaktionsmuster reagieren.

Beispiele von Scham im
Unterricht

Situation 1:

„Was hast du die ganze Zeit über gemacht, Laura? Vor dich hin geträumt, oder was? Alle anderen Kinder sind mit der Aufgabe schon fertig und du hast nichts aufgeschrieben! Ich werde mit deinen Eltern Konktakt aufnehmen. So kanns nicht weiter gehen.“ Im Schulzimmer ist es ganz leise. Laura erstarrt und senkt den Blick.

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Situation 2:

Mathematik-Unterricht 4.Klasse: Ein paar Schüler haben die gerade behandelten Aufgaben nicht verstanden. Die Lehrperson: „Kinder, das ist Stoff der 1. Klasse! Ich werde ich dir sicherlich nicht erklären.“

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Situation 3:

Besprechung der Antworten: „So, welche Antwort ist bei Frage 1?" Jan nennt die korrekte Lösung, worauf die Lehrerin sagt, dass das „super“ sei und dass ein Schüler die nächste Frage vorlesen solle. Anschließend meldet sich jedoch niemand. Die Lehrperson ruft Max auf. Max kann keine Antwort geben. „Also, was ist die Antwort? Was muss der machen, Max?“ Max zuckt mit den Schultern. Die Lehrperson daraufhin: „Guck in den Text, DU MUSST ja was stehen haben.“

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Situation 4:

Die Lehrperson sammelt die Hausaufgabenmappen der Kinder ein und sagt zu einem Kind, das vieles vergisst, in einem herablassenden Ton: "Wenigstens die Mappe hast du wieder dabei."

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Situation 5 (aus Hehn-Oldiges 2021):

Der Schüler kritzelt in sein Matheheft. Die Lehrerin reisst die Seite heraus.

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Verhaltenskompass

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