VERHALTENSKOMPASS
Sprache als Werkzeug
Gefühle nach und nach bearbeitbarer machen
Kleine Kinder brauchen eine enge Begleitung von Erzieher*innen oder Pädagog*innen, um zu lernen, sich selbst zu regulieren. Die Sprache ist dabei ein sehr wichtiges Werkzeug für die Emotionsregulation. Indem wir Gefühle mit Sprache verknüpfen und darüber sprechen, können wir die Gefühle konrollierbarer und bearbeitbarer machen. Der Präfrontale Kortex, welche für die Emotionsregulation zuständig ist, entwickelt sich sehr langsam. Die "Grundlagen" der Emotionsregulaton sollten bis in die 1.Klasse erworben sein. Für uns Lehrpersonen ist es wichtig, die Kinder dabei zu unterstützen.
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Emotionsregulation ist wichtig, da man weiss, dass Kinder die gut über ihre Gefühle sprechen können, leichter Freundschaften schliessen und sich in einem Streit besser ausdrücken. Sie sind meistens im sozialen Bereich erfolgreicher und auch in der Schule, weil sie sich selbst motivieren können was ihnen gerade keine Freude macht, durchzuhalten und macht Kinder resilienter
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Gefühle sollen nicht bewertet werden. Kinder sollen die Gefühle wahrnehmen lernen und diese nicht verdrängen.
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Kinder lernen die Sprache der Gefühle von ihren Eltern -
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Für die Emotionsregulation ist es wichtig, dass Kinder möglichst früh lernen, ihre Gefühle mit der Sprache zu verknüpfen und sich darüber auszutauschen. Im Kindergarten, in der Unter- und Mittelstufe soll eine "Sprache der Gefühle" gesprochen werden, um Gefühle nach und nach kontrollierbarer und bearbeitbarer zu machen.
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Empathisch auf das Kind zugehen:
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Was ist eine Sprache der Gefühle?
Lehrpersonen sollen Gefühle der Kinder verbalisieren, wie z.B. "Ich sehe du bist jetzt ganz fest wütend. Das ist okay du darfst jetzt wütend sein. Was hat dich denn so wütend gemacht? Bleib noch ein wenig hier und lass deine Wut raus."
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"Ich sehe dir ist langweilig. Ist dir die Aufgabe zu einfach?"
"Du ärgerst dich, weil Ben deinen Turm kaputt gemacht hat."
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"
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Die Schüler/innen lernen ihre Gefühle besser verstehen und können sich später in sozialen Situationen durch das Verbalisieren der Lehrperson besser ausdrücken.
Gefühlskarten
U
In der 2. Klasse gab es einen Jungen, der richtig wütend wurde, wenn er zu viele Fehler hatte. Beim Korrigieren seiner Mathematik-Aufgaben fragte ich nach dem fünften Ausrater einmal: "Wie viele Fehler magst du ertragen? Eins, zwei... alle?". Er schaute verdutzt und sagte: "Korrigier nur einen." In der nächsten Mathematikstunde fragte ich dasselbe "Wie viele Fehler darf ich dir zeigen ohne dass du wütend wirst?" Er antwortete: "Alle." Er wurde nicht wütend. Dies habe ich solange fortgeführt, bis eine Verbesserung seiner Frustration bei Fehlern ersichtlich wurde.
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Wenn man die Buchstaben des Wortes "Fehler" vertauscht, erhält man das Wort "Helfer". Im Unterricht soll den Kindern vermittelt werden, dass Fehler Helfer sind und dass die Lehrperson selbst Fehler macht. Eine solche Fehlerkultur immer wieder hervorzuheben hilft mit Fehlern besser umzugehen.
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Das Kind erwischen, wenn es gut ist
Zeigt das Kind im Unterricht oder in der Pause eine positive Emotionsregulation, soll dies wertgeschätzt werden. So wird das Kind angeregt, diese Verhaltensweise häufiger zu zeigen bzw. beizubhalten. Auch das Selbstbewusstsein und das Selbstbild kann positiv beeinflusst werden (vgl. Blumenthal et al., 2020).
Sprache und Wettbewerbs-
orientierung im Unterricht
Manchmal benutzen Lehrpersonen eine leistungs- und wettbewerbsorientierte Sprache im Unterricht ohne dessen bewusst zu sein. Das Kind mit geringer Frustrationstoleranz erfährt dann noch mehr Frustrationen, sodass es keine mehr aushalten kann und sich dem Lösen von Aufgaben verweigert oder laut wird. Um dies zu verdeutlichen einige Beispiele aus Sicht eines Kindes:
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"Für mich ist es frustrierend, wenn die Lehrperson diejenigen Kinder vor der Klasse hervorhebt, die am schnellsten und fleissigsten gearbeitet haben und am weitesten gekommen sind und ich so selten mit dabei bin, obwohl ich mein bestes tue. Für mich ist es frustrierend, wenn meine cleveren Mitschüler die coolen Zusatzaufgaben machen dürfen und ich nicht. Für mich ist es frustrierend zu sehen, wie wir alle an der gleichen Aufgabe arbeiten und ich nicht so schnell bin wie die anderen. Das Tüpfli auf dem i ist, wenn meine Lehrperson dazu noch sagt: "Wow so viele Kinder haben es geschafft!" - nein ich nicht"
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Selbstreflexion: Wie wettbewerbsorientiert gestalte ich meine Sprache?
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Bei Prüfungen: Wie schaffe ich es, dass Kinder die Note nicht mit ihrem Selbstwert gleichsetzen? Was sage ich den Kindern, wenn ich die Prüfungen zurückgebe? Was sage ich einem Kind, das sich angestrengt hat und trotzdem eine schlechte Note erhält, sodass es die Motivation nicht verliert? Was ist meine Haltung zu Noten? Spüren das die Kinder?
Strategien
Bei Frustration können gemeinsame Strategien erarbeitet werden. Siehe dazu: