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THINK OUTSIDE THE BOX

Kreativität erfordert den Mut Sicherheit und Überzeugungen loszulassen.

Wissen

Stabilität der Wahrnehmung ist ein Problem

Wir können eine "eingefrorene Wahrnehmungen" entwickeln. Dadurch können sich problematische Verhaltensmuster verfestigen. Obwohl wir wissen, dass ein Verhalten für jeden unterschiedliche Bedeutung hat, halten wir an unserer Wahrnehmung fest.

Ein Schüler geht ein Bleistift spitzen. Meine Reaktion als Lehrperson hängt nicht alleine von der Tatsache ab, dass der Schüler aufgestanden ist und jetzt der Bleistift spitzt. Es hängt von der Bedeutung ab, die ich dem Schüler zuschreibe: Trotzhandlung? Kein Bock zu arbeiten?

Normalerweise versuchen wir Situationen und Informationen so zu drehen, dass sie am besten zu unserer "Theorie" passen.

Die Idee überlebt, die bisher am erfolgreichsten war

"Meine Reaktion auf auffälliges Verhalten war bisher die "Konsequenz", und diese hat meistens funktioniert. Obwohl sie bei diesem Jungen keine positiven Veränderungen bewirkt, fällt es mir schwer, diese Routine zu verlassen, da sie sich in meiner Erfahrung so oft bewährt hat" - Dies sagt eine Lehrperson, die insgeheim weiss, dass es vielleicht andere Wege gäbe, aber die sich noch nicht traut, von ihrer Erfolgsformel abzuweichen. Oftmals werden Handlungen durch andere Lehrperson verstärkt mit Sätzen: "Mit ihm muss man einfach streng sein!"

Es ändert nicht? Grund genug für Veränderung!

Wenn Sie etwas ändern wollen, müssen Sie etwas ändern. Unsere Wahrnehmung und unser Verhalten sind beeinflusst von der Wahrnehmung und dem Verhalten der Kinder. Unser Verhalten beeinflusst wiederum das Verhalten und die Wahrnehmung der Kinder. Ein Ökosystem. Alle Ideen und Verhaltensweisen in einer Klasse agieren und beeinflussen sich. Wir müssen nicht bei jedem Verhalten die Ursache kennen. Es reicht zu wissen, dass ich als Lehrperson als Teil des Ökosystems durch meine Gedanken, Haltung und Verhalten die Kinder beeinflusse. Wenn sich nichts ändert mit meiner jetzigen Sichtweise, muss ich sie ändern.

Ich kann problematisches Verhalten beeinflussen, indem ich mich selbst verändere.

Chronisch problematische Situationen sind durch Stabilität charakterisiert. 

Sie sind Teil eines stabilen Gedanken- und Handlungsmusters. 

(Molnar & Lindquist, 2002, S.27)

Praxis

Verhalten umdeuten

Technik nach Molnar & Lindquist (2002)

Sein Wahrnehmung verändern.

Symptom verschieben

Technik nach Molnar & Lindquist (2002)

Problematisches Verhalten beibehalten.

Bewertungsfreie Kooperation!

Brainstormen durch ein bewertungsfreies Teamcoaching & Ideen sammeln.

 

Verhalten Umdeuten: Eigene Fälle und Fälle nach Molnar & Lindquist

6 min Schwatz-Zeit

Problem: Nach der Pause sollten alle Kinder ein Buch nehmen, sich an ihren Platz setzen und lesen. Trotz strenger Regeln, Motivation und Belohnungssystemen hat es nie geklappt und sie schwatzen immer noch.

Lösung: Wir deuteten das Verhalten um, von "störend" zu "grosses Austauschbedürfnis", und kamen auf die Idee, eine "Schwatzzeit" nach der Pause für 6 Minuten einzuführen. In dieser Zeit dürfen die Kinder schwatzen, da ihr Bedürfnis nach Austausch so gross ist. Wenn die Uhr klingelt, ist es vorbei und jeder liest. Jetzt klappt es.

Kind, das im Kreis so viel sagt

Problem: Wenn ich im Kreis etwas erkläre, unterbricht mich ein Junge ständig, korrigiert mich oder hat vermeintlich bessere Ideen. Er scheint es nicht unterdrücken zu können – wir haben bereits viele Strategien ausprobiert.

Lösung: Offensichtlich hat er ein hohes Mitteilungsbedürfnis. Um dem entgegenzukommen, darf er nach jeder Anweisung eine Frage stellen. Zudem hat er Stift und Papier, damit er seine Gedanken und Fragen während der Erklärung notieren kann. Er schreibt auch seine eigenen Ideen auf. Am Ende des Tages hat er dann die Möglichkeit, mir diese zu erzählen.

Kein Bock auf Gruppenarbeit

Problem: Tim nimmt je nach Laune und Einstellung nicht an der Gruppenarbeit teil. Dabei spielt es keine Rolle, welches Thema bearbeitet wird, in welcher Gruppe er ist oder wie sehr ich ihn lobe, wenn er mitmacht – ich habe schon vieles versucht.

Lösung: Ich habe meine Einstellung geändert und denke nun anders über ihn: Er ist nicht faul, sondern es ist ihm wichtig, gründlich nachzudenken, bevor er mit anderen diskutiert. Deshalb sage ich zu ihm: "Tim, es ist wichtig, dass du zuerst gründlich nachdenkst, bevor du zu den anderen gehst. Bleib sitzen und nimm dir Zeit dafür." Tatsächlich verhielt er sich so, als würde er nachdenken.

Schule schwänzen

Problem: Hanna fehlt häufig in der Schule, da sie keine Motivation hat. Elterngespräche waren erfolglos, da die Eltern überfordert sind. Auch Strafen und Belohnungen führten zu keiner Verhaltensänderung.

Lösung: Ich änderte meine Einstellung und sprach sie an einem Morgen bei ihrer Ankunft in der Schule wie folgt an: "Du bist sicher zu Hause geblieben, um besonders intensiv für den Test zu lernen. Erzähl mal, hattest du nach dem Lernen noch Zeit, eine Serie auf Netflix anzusehen?" Mit der Zeit kam Hanna wieder regelmässiger in die Schule. Ein direktes Lob dafür unterblieb, da dies möglicherweise kontraproduktiv gewesen wäre.

Zappelig vor der Schule

Problem: Ein Junge kam am Morgen, nachdem er Schuhe und Jacke aufgehängt hatte, nicht ins Schulzimmer. Er flitzte im Gang umher und lief die Treppe hinauf und wieder hinunter. Erst als die Lehrperson laut wurde, kam er ins Schulzimmer. Manchmal musste er sogar gepackt und "reingeschleppt" werden.

Lösung: Ich änderte meine Einstellung und dachte mir: "Wow, so viel Energie hätte ich auch gerne schon am Morgen." Ich sagte zu ihm: "Du hast wirklich viel Energie, das ist bemerkenswert. Ich wünschte, ich hätte morgens auch so viel Energie wie du. Wenn du möchtest, kannst du jeden Morgen so schnell du kannst zur Eingangstür flitzen, wieder zurückkommen und mich mit einem springenden High Five begrüssen. So schnell du kannst!" Von da an war das Problem gelöst.

Lustlos & Herumlaufen

Problem: Amely ist selten an ihrem Platz, sondern läuft oft im Schulzimmer umher und stört dadurch andere Kinder. Belohnungssysteme zeigten keine Wirkung. Auch die Massnahme, die versäumte Arbeit als Strafe zu Hause nachholen zu lassen, führte zu keiner Veränderung.

Lösung: Ich deutete ihr Verhalten um, von "störend, lustlos" zu "bewegungsfreudig, interessiert". Dadurch veränderte sich mein Verhalten automatisch, was dazu führte, dass sie sich akzeptierter fühlte. Wenn Amely sich im Unterricht einbrachte oder arbeitete, lobte ich ihr Interesse und ihre Ausdauer. Wenn sie unruhig wurde, fragte ich sie, ob sie das Altpapier und den Karton nach draussen bringen möchte, da sie sich ja ausreichend bewegen müsse, bevor sie sich wieder interessiert der Arbeit widmen könne.

Mit der Freundin schwatzen

Problem: Eine 6. Klässlerin schwatzt immer wieder mit ihrer Freundin im Unterricht.

Lösung: Ich deutete das Verhalten um von "störend" zu "Freundschaft aufrechterhalten". Ich sagte: "Ich sehe wie wichtig dir Freundschaft ist, das bewundere ich sehr. Schwatze so, dass es die anderen nicht ablenkt - schreibe eine Notiz an deine Freundin."

Verweigerung der Arbeit

Problem: Ein Mädchen ist überdurchschnittlich intelligent, verweigert jedoch jegliche Mitarbeit. Zuvor haben wir verschiedene Ansätze versucht, darunter Belohnungssysteme, positive Rückmeldungen und negative Konsequenzen. Bedauerlicherweise konnten wir die Eltern nicht in die Problemlösung einbeziehen.

Lösung: Statt von mangelnder Teamfähigkeit auszugehen, interpretiert die Lehrperson das Verhalten als Zeichen dafür, dass das Kind ein tiefer Denker ist, das erst einmal beobachtet und Informationen verarbeitet, bevor es sich äussert. Möglicherweise braucht das Kind mehr Zeit, um seine Gedanken zu formulieren. Die Lehrperson spricht das Kind gezielt an, aber ohne Druck auszuüben: "Mir fällt auf, dass du in der Gruppe sehr aufmerksam bist. Hast du schon einige Ideen oder Beobachtungen, die du mit uns teilen möchtest, wenn du dich bereit fühlst?"

Kritzeln und nicht zuhören

Problem: Ein Kind kritzelt und malt während der Erklärungen der Lehrperson auf seinem Papier, anstatt zuzuhören. Die Lehrperson sieht dies als Unaufmerksamkeit.

Lösung: Anstatt die Kritzeleien als Desinteresse zu werten, erkannte die Lehrperson, dass das Kind möglicherweise ein visueller Lerntyp ist, dem das Malen hilft, sich zu konzentrieren. Sie erlaubte dem Kind, während der Erklärung zu zeichnen und forderte es anschliessend auf, seine Kritzeleien zu nutzen, um in Bildern darzustellen. Diese Akzeptanz führte dazu, dass das Kind aufmerksamer wurde und sich besser am Unterricht beteiligte.

Ständig Streit

Problem: Zwei Kinder der 4. und 5. Klasse überbieten sich gegenseitig und streiten in der Pause häufig.

Lösung: Ich deutete ihr Verhalten um und interpretierte es als "sich umeinander kümmern und die eigene Pausenzeit füreinander aufopfern, da dieses Verhalten des Umeinander-Kümmerns scheinbar nicht einfach zu unterbinden ist." Als der Junge entgegnete: "Ich kümmere mich sicher nicht um den!", erwiderte ich: "Wirklich? Ich beobachte, dass du ständig in seiner Nähe bist, ihm folgst und darauf achtest, was er tut. Für mich sieht es so aus, als würdest du dich um ihn sorgen und deine Pausenzeit für ihn opfern. Ich habe da eine ganz andere Wahrnehmung." Daraufhin entfernte er sich vom anderen Kind. Ich wiederholte meine Umdeutung jedes Mal, wenn ich die Situation erneut beobachtete, bis er Distanz hielt.

"Ich will die Erste sein!"

Problem: Obwohl wir im Vorfeld über "Fairness" und "Abwechseln" gesprochen hatten, wollte Daniel bei jeder Zweierreihe unbedingt der Erste sein. Jedes Mal kam es zu Drängeleien und Geschubse.

Lösung: Ich nutzte Daniels Enthusiasmus und ernannte ihn zum Reihenhelfer. Er war fortan dafür verantwortlich, eine Liste mit den Namen aller Kinder zu führen und die jeweiligen "Reihen-Anführer" anzusagen. So erhielt er die gewünschte Aufmerksamkeit, und die Streitereien hörten auf.

In vielen dieser Fälle wurde schon vieles ausprobiert und versucht (Beziehungsaufbau, Teamaustausch, Elternkontakt). 

Später erkannten die Lehrpersonen, dass die eigene Wahrnehmung eine grosse Rolle spielt.

Funktioniert die Technik nicht? Fragen sie sich...

  • habe ich es lange genug versucht?

  • gibt es auch keine kleinen Zeichen der Veränderung? Habe ich nichts übersehen?

  • habe ich die Technik authentisch umgesetzt und nicht sarkastisch?

  • bin ich selbst zu meinem alten Reaktionsmuster zurückgekehrt?

  • hat das Kind gerade ein Rückfall, was normal ist?

Ansonsten ist es sinnvoll, eine andere Intervention zu versuchen.

 

In Anlehnung an Molnar & Lindquist, 2002

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